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BFSG-Abmahnung erhalten? Ruhig bleiben — und diese drei Dinge tun
Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) — die deutsche Umsetzung des European Accessibility Act. Seitdem erhalten Shopify-Händler Abmahnungen wegen angeblich nicht barrierefreier Onlineshops. Wenn gerade so ein Schreiben vor Ihnen liegt: Atmen Sie durch. Die Lage ist fast immer besser, als das Schreiben klingt — ignorieren dürfen Sie es trotzdem nicht.
Was da gerade passiert
Mit dem Stichtag im Sommer 2025 begann eine Abmahnwelle gegen Onlineshops. Ein großer Teil der kursierenden Schreiben stammt Berichten zufolge aus wenigen, immer gleichen Kanzleien. Das Muster ist bekannt: eine Liste automatisch gefundener Mängel (fehlende Alt-Texte, Kontraste, Formular-Beschriftungen), eine Unterlassungserklärung mit Vertragsstrafe und eine kurze Frist.
Wichtig zur Einordnung: Ein Bußgeld einer Behörde allein wegen eines nicht barrierefreien Webshops ist uns bis heute (Stand August 2026) nicht bekannt — weder in Deutschland noch anderswo in der EU. Der Druck kommt derzeit nicht vom Staat, sondern aus zivilrechtlichen Abmahnungen. Das macht die Schreiben nicht bedeutungslos, aber es nimmt ihnen den Weltuntergangston.
Warum viele dieser Schreiben rechtlich wackeln
Spezialisierte IT-Rechtskanzleien bewerten viele der aktuellen Abmahnungen als rechtlich angreifbar. Der Kernstreit: Ob BFSG-Verstöße überhaupt über das Wettbewerbsrecht (UWG) abgemahnt werden können, ist gerichtlich noch nicht abschließend geklärt. Dazu kommen in der Praxis oft handwerkliche Fehler — pauschale Mängellisten aus automatischen Scans, fehlende Aktivlegitimation, überzogene Vertragsstrafen.
Genauso wichtig ist die Frage, ob das BFSG Sie überhaupt trifft: Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten — weniger als 10 Beschäftigte und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz bzw. Bilanzsumme — sind von den Pflichten für Dienstleistungen ausgenommen, und der elektronische Geschäftsverkehr zählt als solche Dienstleistung. Viele kleine Shops fallen damit gar nicht unter die Pflichten, auf die sich die Abmahnung beruft. Ob die Ausnahme auf Sie zutrifft, klärt ein Anwalt in Minuten.
Aber Vorsicht vor dem gegenteiligen Fehler
„Rechtlich wackelig“ heißt nicht „kann in den Papierkorb“. Eine Abmahnung mit Frist ist ein formales Verfahren: Wer die Frist verstreichen lässt, riskiert eine einstweilige Verfügung — dann wird es teuer und hektisch. Und eine unveränderte Unterlassungserklärung zu unterschreiben bindet Sie jahrzehntelang an Vertragsstrafen. Beides sind die zwei klassischen Fehler.
§1Frist ernst nehmen — Antwort vom Anwalt
Lassen Sie die Antwort von einer Kanzlei mit IT-/Wettbewerbsrecht formulieren. Das kostet typischerweise wenige hundert Euro und ist die am besten investierte Ausgabe in diesem ganzen Vorgang: Der Anwalt prüft Aktivlegitimation und Kleinstunternehmer-Ausnahme, entschärft oder ersetzt die vorformulierte Unterlassungserklärung und antwortet fristgerecht. Unterschreiben Sie nichts, was der Abmahner vorformuliert hat, bevor es geprüft wurde.
§2Die echten Mängel im Theme beheben
Unabhängig davon, wie schwach die Abmahnung ist: Echte Barrieren im Shop bleiben echte Barrieren — für Kundinnen und Kunden zuerst, und für jeden künftigen Abmahner als Angriffsfläche. Die üblichen Verdächtigen in Shopify-Themes sind fast immer dieselben:
- Bilder ohne
alt-Attribut (Produktbilder, Banner, Logos), - Formularfelder ohne beschriftende Labels (Newsletter, Suche),
- Buttons und Links ohne zugänglichen Namen (Icon-Buttons),
- zu schwache Farbkontraste bei Text und Bedienelementen,
- fehlende Tastaturbedienbarkeit von Menüs und Dialogen.
Das sind Korrekturen auf Theme-Ebene — Datei öffnen, Zeile ändern — keine Umbauten. Ein Overlay-Widget, das sich über den Shop legt, behebt davon nichts: Die Mängel bleiben im Code stehen, und genau dort schaut die Gegenseite nach.
§3Bemühen dokumentieren — mit Datum
Vor Gericht und gegenüber Behörden zählt neben dem Ist-Zustand vor allem der Nachweis, dass Sie das Thema ernsthaft und kontinuierlich bearbeiten: datierte Prüfberichte, eine Barrierefreiheitserklärung, nachvollziehbare Korrekturen. Diese Diligence-Spur ist das Material, mit dem Ihr Anwalt arbeitet — und sie verwandelt „Händler ignoriert Barrierefreiheit“ in „Händler prüft, behebt und dokumentiert laufend“. Das ist der Unterschied, der Verfahren beendet.
Was Ihnen niemand ehrlich sagt
Automatische Prüfwerkzeuge finden etwa 20–30 % der realen Barrieren — den maschinell erkennbaren Teil. Manuelle Prüfung mit Tastatur und Screenreader bleibt notwendig. Jedes Produkt, das Ihnen „Compliance per Klick“ verspricht, verspricht etwas Unmögliches: Die US-Handelsaufsicht FTC hat 2025 einen Widget-Anbieter wegen genau dieses Versprechens zu einer Zahlung von 1 Million Dollar verpflichtet.
Transparenz: Wir bauen ein Tool in genau diesem Bereich
Disciplina EAA Audit scannt Ihr veröffentlichtes Shopify-Theme gegen WCAG 2.1 AA und zeigt jeden Fund mit Datei, Zeile und Korrekturvorschlag — eine Arbeitsliste für Schritt §2. Für Schritt §3 erzeugt es datierte PDF-Prüfberichte und eine Barrierefreiheitserklärung nach EU-Muster, auf Deutsch. Der Scan ist kostenlos und unbegrenzt, die App ist read-only — sie kann Ihr Theme nicht verändern. Und sie macht Sie nicht „compliant“; das behauptet sie auch nirgends.
Theme kostenlos scannenDieser Beitrag ist keine Rechtsberatung. Für die Reaktion auf eine konkrete Abmahnung sprechen Sie bitte mit einer Anwältin oder einem Anwalt.
English readers: the EU-wide picture, including whether the EAA covers stores outside the EU, is in our 10-minute EAA triage for Shopify merchants.